Neue Forschungsanlage für das Bunkern von Flüssigwasserstoff
Fotocredit: DLR, CC BY-NC-ND 3.0
01. Oktober 2026
Wie lässt sich Flüssigwasserstoff (LH₂) sicher, effizient und mit möglichst geringen Verlusten auf Schiffe übertragen? Dieser Frage widmet sich eine neue Forschungsanlage für das Bunkern von Flüssigwasserstoff, die von der Marine Service GmbH entwickelt und realisiert wird.
Im September 2026 hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Marine Service GmbH mit der Entwicklung und Lieferung einer LH₂-Bunkeranlage für das Institut für Maritime Technologien und Antriebssysteme beauftragt. Die Anlage gehört weltweit zu den ersten Forschungsanlagen ihrer Art und wird wichtige Erkenntnisse für sichere, effiziente und wirtschaftliche Bunkerprozesse mit Flüssigwasserstoff liefern.
Die Anlage wird Transferleistungen von bis zu 500 Kilogramm Flüssigwasserstoff pro Stunde ermöglichen und mit umfangreicher Sensorik, einem eigenen Automations- und SCADA-System sowie einer vollständig in einem Containment angeordneten Infrastruktur ausgestattet sein. Dadurch können sämtliche Betriebs- und Prozessdaten erfasst, visualisiert und für Forschungszwecke ausgewertet werden.
Ziel ist es, den gesamten Bunkerprozess unter realen Bedingungen zu untersuchen, digital zu modellieren und kontinuierlich zu optimieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von experimenteller Forschung und digitalen Simulationsmodellen. Die gewonnenen Daten ermöglichen es, Modelle zu validieren und das Verhalten des Gesamtsystems präzise abzubilden.
Ein wichtiger Untersuchungsgegenstand sind dabei sogenannte Boil-off-Verluste. Da Flüssigwasserstoff bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert und transportiert wird, kann während des Transfers Wärmeeintrag zu Verdampfungen führen. Die Forschungsanlage soll helfen, die Ursachen dieser Verluste besser zu verstehen und Maßnahmen zu ihrer Reduzierung zu entwickeln.
Darüber hinaus bietet die Anlage die Möglichkeit, weitere sicherheitsrelevante Prozesse, beispielsweise die Inertisierung von Leitungen und Systemen, zu erforschen. Gleichzeitig wird sie künftig für die Schulung von Crews und Fachpersonal genutzt, um den sicheren Umgang mit Flüssigwasserstoff unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren.
Mit dieser Forschungsinfrastruktur kann der Transfer von Flüssigwasserstoff erstmals ganzheitlich untersucht werden. Ziel ist es, sichere, effiziente und wirtschaftliche Bunkerprozesse zu entwickeln und damit wichtige Grundlagen für den künftigen Einsatz von Flüssigwasserstoff als Energieträger oder Ladung in der Schifffahrt zu schaffen.
Die Lieferung der Anlage ist innerhalb von 23 Monaten nach Beauftragung vorgesehen. Die Marine Service GmbH freut sich darauf, gemeinsam mit dem DLR einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der maritimen Wasserstoffwirtschaft zu leisten.